11. Monat
Mit dem Aufstehen und ersten Gehversuchen beginnt eine intensive Phase. Ob an Möbelstücken oder an Ihrem Hosenbein, überall versucht sich das Kind hochzuziehen. Laufen lernen hält auch Sie auf Trab.
Gehören Sie zu den Vätern und Müttern, deren Krabbel-Kind langsam zum Aufsteh-Kind wird? Manche Kinder beginnen in diesem Alter, sich an Möbelstücken hochzuziehen und daran entlangzugehen. Sie brauchen sich aber keine Sorgen zu machen, wenn Ihr Kind noch keine solche Versuche unternimmt, sondern damit noch zuwartet.
Kinderärztinnen und -ärzte sehen es gerne, wenn lange und ausdauernd gekrabbelt wird, weil sich dabei die ganze Muskulatur, vor allem jene des Rückens, kräftigt. Nicht alle Kinder durchleben übrigens den gleichen Ablauf in der Bewegungsentwicklung: Es gibt Mädchen und Jungen, die das Krabbeln ganz auslassen. Jedes Kind entwickelt sich anders und in seinem Tempo.
Wenn der Sohn oder die Tochter erste Steh- und Gehversuche unternimmt, so ist das für die Eltern Anlass zur Freude, gleichzeitig kann es aber auch eine Geduldsprobe werden. Um das äussere Gleichgewicht nicht zu verlieren, sucht das Kind Halt an Möbelstücken und an festen Gegenständen.
Für das innere Gleichgewicht sind die elterlichen Hosenbeine von grosser Bedeutung. Sie geben Halt und sind sicherer Rückzugs- und Ausgangsort für neue Abenteuer. Das ständige Kleben am Hosenbein kann unter Umständen lästig und anstrengend sein, vor allem, wenn man etwas erledigen muss und dazu Bewegungsfreiheit braucht.
Da Ihr Kind sich am liebsten in Ihrer Nähe aufhält, wird es zuweilen schwierig sein, sich den nötigen Raum zu nehmen. Vielleicht verschafft Ihnen der Hochstuhl für eine gewisse Zeitspanne etwas Freiraum. Sie können Ihr Kind darin überall in der Wohnung platzieren und es an Ihrem Schaffen teilhaben lassen. Allzu lange sollten Sie Ihr Kind aber nicht im Hochstuhl lassen.
Mehr Bewegungsfreiheit können Sie auch dadurch gewinnen, wenn Sie das Interesse Ihres Kindes für anderes wecken oder auch auf andere Kinder lenken. In der Krabbelgruppe, auf einem Spielplatz oder beim Besuch eines anderen Kindes ist die Neugier dann oft grösser als das ständige Bedürfnis nach Mama oder Papa.
Unternimmt Ihr Kind erste Aufsteh- oder Gehversuche, so sollten Sie es aus lauter Begeisterung nicht ständig an den Händen fassen, um das Laufen zu «trainieren». Lassen Sie es in dieser ersten Zeit mehrheitlich allein üben und ausprobieren. Trösten Sie es, wenn es hinplumpst, und haben Sie Geduld; sie ist die beste Unterstützung, die Sie Ihrem Kind bieten können.
Käufliche «Lauflernhilfen» (Laufgestell auf Rädern, in welches das Kind reingesetzt wird) bieten keine Hilfe – im Gegenteil: Sie behindern das Kind beim Laufenlernen! Sie belasten die Hüften ungünstig und können zu gefährlichen Stürzen führen.
Im Zusammenhang mit dem Laufen möchten wir wieder einmal darauf hinweisen, dass kleine Kinder sehr bewegungsfreudig sind. Um ihre Energien loszuwerden, brauchen sie viele Möglichkeiten, sich körperlich zu betätigen und ihre Geschicklichkeit zu üben.
Und noch etwas: Sie müssen mit Ihrem Kind noch nicht ins Schuhgeschäft gehen, es braucht noch keine Schuhe. Laufenlernen gelingt am besten barfuss, denn Barfusslaufen regt die Entwicklung der Fussmuskulatur an und stärkt die Muskeln. Wenn der Boden kalt ist, sind Söckchen mit aufgerauten, aber weichen Sohlen zu empfehlen (Antirutschsocken mit Noppen).