Vier Jahre
Gefühle haben eine wichtige Funktion. Eltern können ihren Kindern helfen, mit Gefühlen klarzukommen. Erfahren Sie auch, wie Sie mit Schimpfwörtern umgehen können.
Fröhlich nach Hause hüpfen, neugierig im Wald umherstreunen, vor einer Spinne erschrecken oder ganz wütend werden, wenn die kleine Schwester das Glacé wegschleckt. Gefühle sind vielfältig und einzigartig, machen den Alltag abwechslungsreich und lassen uns spüren, wie es uns geht. Mal sind die Gefühle angenehm und das Herz klopft begeistert oder der Bauch kribbelt wohlig. Mal fühlt es sich unangenehm an und wir haben vor Angst Bauchschmerzen oder verspüren vor Traurigkeit einen Kloss im Hals. Gefühle zeigen uns, worauf wir reagieren. Manchmal sind unsere Stimmungen stark, dann wieder ganz fein.
Aus Angst vor dem Dunkeln fällt das Einschlafen schwer. Der lautstarke Trotzanfall im Supermarkt drückt die Befindlichkeit des Kleinkindes aus. Der Umgang mit den eigenen Gefühlen will gelernt sein. Angenehme Gefühle wie Freude, Mut, Fröhlichkeit und Zufriedenheit möchten wir verstärken. Negative Emotionen hingegen mögen wir nicht und versuchen diese zu vermeiden.
Helfen Sie Ihrem Kind, mit seinen Gefühlen klarzukommen. Anstatt negative Gefühle zu verdrängen, suchen Sie gemeinsam Wege, wie es damit umgehen und seine Stimmung regulieren kann.
Gefühle wie Angst, Traurigkeit, Wut oder gar Ekel weisen darauf hin, dass uns eine Situation nicht guttut und haben eine wichtige Funktion. Die Angst vor dem grossen Hund schützt Ihr Kind davor, ihn leichtsinnig zu streicheln. Tränen wegen des geplatzten Ballons helfen, den Verlust zu verarbeiten.
Sobald schwierige Situationen erkannt werden, lassen sich Strategien zur Bewältigung entwickeln. Durch solche Erfahrungen merkt Ihr Kind, dass negative Gefühle wieder durch positive abgelöst werden. Finden Sie gemeinsam heraus, was guttut, wenn man richtig wütend oder unendlich traurig ist.
Gefühle prägen das Elternleben. Glück ist, wenn Kinder ihre Eltern nach einem langen Tag in ihre kleinen Arme nehmen. Angst plagt, wenn die Kleinen fest krank werden. Herzhaft und unbeschwert lachen lässt es sich in der Familie. Ärger steigt auf, wenn die Knirpse stundenlang die Nerven strapazieren. Und wenn sie endlich erschöpft einschlafen, gibt es nichts Schöneres als diese kleinen, warmen Bündel!
Eltern leben ihren Kindern vor, wie sie mit Gefühlen umgehen. Kinder beobachten, ob Eltern einen offenen und entspannten Umgang mit Gefühlen pflegen. Beispielsweise sieht das Kind, wie die Grossmutter weint und erzählt, was sie traurig macht. Sie wirkt in sich gekehrt, doch etwas später lächelt sie schon wieder ein bisschen. Wenn Kinder solche Stimmungsveränderungen miterleben, üben sie sich in Empathie und lernen, dass Gefühle wechseln können. Sie gehören zum Leben, sollten Gesprächsthema sein und das Miteinander bereichern.
Im Umgang mit anderen Menschen macht das Kind aber auch die Erfahrung, dass nicht alle gleich einfühlsam sind und unterschiedlich mit Gefühlen umgehen. Solche Erkenntnisse sind wichtig für ein tolerantes Miteinander.
Manchmal nehmen Gefühle überhand. Das ist verständlich und nicht weiter schlimm. Dennoch sollten Kinder lernen, dass intensive Gefühlsausbrüche für andere eine Herausforderung sein können. Für das Zusammensein mit anderen Kindern oder Erwachsenen braucht es also auch die Fähigkeit, Gefühle zu regulieren. Es findet sich eher eine Lösung, wenn das Kind Gefühle sprachlich auszudrücken vermag. Beispielsweise die Enttäuschung über eine unfaire Spielsituation in Worte zu fassen, anstatt wütend um sich zu schlagen. Das setzt voraus, dass die eigenen Gefühle und diejenigen der anderen Kinder wahrgenommen werden. Zudem braucht es die Bereitschaft, eine Situation zu ändern.
Eltern können diesen Lernprozess unterstützen, indem sie mit ihren Kindern über erlebte Gefühle sprechen, Verständnis für Emotionen zeigen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Vielleicht vereinbaren die Geschwister untereinander eine Regel, damit sie einander «Stopp» sagen und so signalisieren können, wenn es ihnen zu viel wird und es nicht mehr lustig ist. Auch beim Auskitzeln ist diese Regel hilfreich. Unter Erwachsenen oder als Familie tut es ebenfalls gut, schwierige Situationen zu besprechen. Denn der Umgang mit Gefühlen ist ein lebenslanges Lernen.
Mit Fluchwörtern können Kinder Erwachsene ganz schön ins Schleudern bringen. Fluchwörter werden dazu benutzt, starke Gefühle auszudrücken oder mit Reaktionen zu spielen. Ein Verbot dieser Wörter steigert meist nur die Attraktivität. Das heisst aber nicht, dass man diese als Erwachsene einfach akzeptieren soll. Spielregen helfen, um als Familie mit Schimpfwörtern umzugehen:
Manchmal kommen Mütter und Väter mit ihrer Kreativität und Geduld an Grenzen, egal, ob es nun um den Umgang mit Schimpfwörtern geht, das Ausloten von Grenzen oder kleine alltägliche Auseinandersetzungen. Wenn Sie Ihr Kind zum Beispiel auffordern, die Schuhe anzuziehen, weil Sie auf den Spielplatz gehen wollen. Und Ihr Kind nicht daran denkt, Ihrer Aufforderung nachzukommen. Viele Eltern treibt das zur Verzweiflung und sie wissen nicht, was tun und wie reagieren. Man ist vielleicht versucht, dem Kind die Schuhe gegen seinen Willen anzuziehen oder mit einer Strafe zu drohen, beispielsweise: «Wenn du die Schuhe jetzt nicht anziehst, gibt es heute Abend keine Gute-Nacht-Geschichte.» Weder für Eltern noch für das Kind ist so ein Anzieh-Kampf ein gutes Gefühl. Auch eine Strafe ist oft wenig hilfreich, da diese in keinem direkten Zusammenhang zur Handlung steht. So kann das Kind diese nur schwer nachvollziehen und lernt auch nichts für ein nächstes Mal.
Wenn man denn nicht anders weiterkommt, ist eine logische Konsequenz sinnvoller, also eine direkt in Beziehung stehende Folge auf ein unerwünschtes Verhalten. Logische Konsequenzen beziehen sich auf die Situation oder passen zu ihr. Will Ihr Kind seine Schuhe nicht anziehen, ist die logische Konsequenz, dass Sie entweder zu Hause bleiben und nicht auf den Spielplatz gehen, oder dass Ihr Kind ohne Schuhe rausgeht.
Wichtig ist, dass Sie die Konsequenz zuvor ankündigen und dem Kind eine Chance geben, sein Verhalten zu ändern. Zudem sollte die logische Konsequenz angemessen sein. Unangemessen wäre zum Beispiel, wenn das Kind eine Woche lang keine Schuhe anziehen darf.
Im Grunde genommen ist auch eine logische Konsequenz genauso eine Strafe für das Kind. Deshalb sollten auch logische Konsequenzen nur sparsam eingesetzt werden.
Noch besser als logische Konsequenzen sind natürliche Konsequenzen. Dabei handelt es sich um Dinge, die automatisch auf eine Handlung folgen. Geht das Kind bei Regen ohne Schuhe aus dem Haus, bekommt es nasse Füsse. Durch natürliche Konsequenzen lernen Kinder, dass jedes Handeln und Verhalten Folgen hat. Leider gibt es nicht für jedes unerwünschte Verhalten eine passende natürliche Konsequenz.
Was soll man also tun, wenn das Kind einfach nicht macht, was die Eltern wollen? Versuchen Sie, den Nutzen für das Kind hervorzuheben: «Wenn du jetzt ganz schnell die Schuhe anziehst, haben wir mehr Zeit auf dem Spielplatz.» Hilfreich ist auch, das Bedürfnis zu erkennen, das hinter dem Handeln Ihres Kindes steckt. Vielleicht zieht Ihr Kind die Schuhe nicht an, weil es lieber noch zu Hause spielen möchte? Als Alternative könnten Sie ihm anbieten, noch zehn Minuten zu Hause zu spielen und dann rauszugehen.
Überlegen Sie sich gut, welche Kämpfe Sie mit Ihrem Kind ausfechten möchten, welche sich lohnen und wo Sie vielleicht ein Auge zudrücken oder einen Kompromiss finden können. Nicht immer hat man als Eltern die Zeit und die Geduld dafür, die Gründe des Kindes zu ermitteln und ruhig und besonnen zu handeln. Sie müssen sich deshalb nicht schlecht fühlen; das geht allen Eltern so. Nur physische oder psychische Gewalt sollten Sie nicht anwenden. Werden Kinder geschlagen, beschimpft, erniedrigt, so schadet das der Kinderseele. Fügen Eltern dem Kind psychischen oder physischen Schmerz zu, tut dies dem Kind weh, verletzt und kränkt es. Zudem wirkt sich elterliche Gewalt kurz- und langfristig negativ auf die Entwicklung des Kindes aus.
Tag für Tag verspüren wir unterschiedliche Gefühle. Wir haben Hunger, sind fröhlich oder traurig und müssen erkennen, was uns hilft. Gefühle ausfindig machen, ist ein andauernder Prozess.
Genau wie unser Körper braucht auch unsere Seele Nahrung. «Hast du Hunger?» – «Magst du noch ein paar Nudeln?» In jeder Familie wird Essen mindestens drei Mal täglich zum Thema. Es geht darum, wann der Hunger kommt, ums Lieblingsessen und um unbeliebte Nahrungsmittel.
Dieselbe Aufmerksamkeit verdient auch die Seele. «Unterernährung» beeinträchtigt die Entwicklung ebenso wie «Überfütterung» unangenehme Folgen haben kann. Hat Ihr Kind heute schon eine Portion «Vitamin Z» für Zärtlichkeit erhalten und eine Dosis Geborgenheit erfahren? Wie beim Essen braucht es nicht jeden Tag dieselbe Menge an Nähe und Zärtlichkeit. Doch in schwierigeren Zeiten ist oft etwas mehr notwendig.