2. Monat
«Familie» kann heute ganz unterschiedlich gelebt werden – so und anders! Die ideale oder typische Familienform gibt es nicht, dafür aber viele Möglichkeiten, Berufsarbeit, Haushalt und Kinderbetreuung aufzuteilen und zu gestalten.
Seit Kurzem ist aus Ihnen eine «Familie» geworden. Was verbinden Sie mit diesem Begriff, wer gehört zu Ihrer Gemeinschaft und wer lebt unter einem Dach? Mutter, Vater, Kind, Geschwister, Stiefvater, Stiefmutter, Grosseltern, Freundinnen, Freunde? Es gibt die Kleinfamilie, die Einelternfamilie, die Grossfamilie, die Patchworkfamilie und es gibt Tagesfamilien, Pflegefamilien, Adoptivfamilien, Regenbogenfamilien.
Familien – unabhängig von Grösse und Form – sind wie ein kleines Unternehmen. Damit dieses erfolgreich läuft, braucht es den vollen Einsatz aller «Mitarbeiterinnen» und «Mitarbeiter». Sprechen Sie ab, wie Sie sich zu Hause organisieren, wer für was verantwortlich ist. Teilen Sie einander Ihre Erwartungen und Bedürfnisse mit.
Je nachdem werden Sie neben der «internen» Unterstützung auch zusätzliche Entlastung im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung brauchen. Dies gilt besonders für Eltern von Frühgeborenen, Zwillingen, Mehrlingen, Kindern mit einer Beeinträchtigung oder für Einelternfamilien.
Für ihre Entwicklung benötigen Kinder, je nach Alter und in unterschiedlichem Mass, Zuwendung, Geborgenheit, Sicherheit, Stabilität und Strukturen. Dafür ist nicht die ständige Präsenz von Vater und Mutter erforderlich, aber es braucht eine gute Organisation mit vertrauenswürdigen, verlässlichen Bezugspersonen, die regelmässig anwesend sind.
Falls Sie schon bald zusätzliche Betreuung für Ihr Kind beanspruchen, sollten Sie sich ausreichend Zeit zum Suchen, Anschauen und Entscheiden nehmen. Genauso wie es verschiedene Familienformen gibt, gibt es unterschiedliche Formen der familienergänzenden Kinderbetreuung. Kindertagesstätten, Tagesfamilien und Nannys unterscheiden sich teilweise stark in der Art und Weise, wie sie mit den Kindern umgehen und den Alltag mit ihnen gestalten.
Überlegen Sie gut, was Ihnen bei der Betreuung wichtig ist. Möchten Sie für Ihr Kind lieber den institutionellen Rahmen einer Kita oder bevorzugen Sie den familiären Rahmen einer Tagesmutter? Besuchen Sie zusammen mit Ihrem Kind mögliche Betreuungseinrichtungen oder Betreuungspersonen.
Tauschen Sie sich mit den Verantwortlichen des Betreuungsangebots aus und finden Sie heraus, welches Angebot für Sie und Ihr Kind stimmt. Auch wenn Kinder in etwa die gleiche Entwicklung durchmachen, sind die Bedürfnisse bei jedem Kind ein bisschen anders.
Beachten Sie auch die gesetzlichen Bestimmungen der Tagesbetreuung. Tagesmütter sind je nach Kanton melde- oder bewilligungspflichtig. Kitas benötigen in der Regel eine Bewilligung des Kantons oder der Gemeinde. Sie können sich bei Ihrer Gemeinde über die geltenden Vorschriften informieren.
Setzen Sie sich mit der Frage auseinander, was Sie tun werden, wenn Sie nicht rechtzeitig einen geeigneten Betreuungsplatz finden. Könnte zur Überbrückung jemand aus der Verwandtschaft oder dem Freundes- und Bekanntenkreis die Betreuung Ihres Babys übernehmen? Liesse sich die Berufs- und Familienarbeit vorübergehend anders untereinander aufteilen?
Vielleicht schlagen Grosseltern, Geschwister, Tanten oder Freunde vor, Ihr Kind zu betreuen – bei Ihnen oder bei sich zu Hause. Oder Nachbarn bieten sich an, einzuspringen. Vielleicht gibt es Familien im gleichen Haus, innerhalb der Siedlung oder des Quartiers, die sich gegenseitig bei der Kinderbetreuung abwechseln.
Diese Art von Hilfe ist eigentlich sehr naheliegend und unkompliziert, nur leider nicht ganz ohne Schwachstellen. Denn wenn Ihr Kind regelmässig familienergänzend betreut wird, sollte die Kinderbetreuung unbedingt konstant und auf längere Dauer ausgerichtet sein.
Eine Betreuung in Tagesfamilien oder Kindertagesstätten hat den Vorteil, dass Ihr Kind durch ausgebildetes Personal begleitet wird und Konstanz bietet. Die Betreuungspersonen nehmen Rücksicht auf die Bedürfnisse Ihres Kindes und die Entwicklung kann gezielt gefördert werden.
Falls Sie sich für die familiäre oder nachbarschaftliche Betreuung entscheiden, machen Sie Ihre Freunde, Verwandten oder Nachbarn auf Schwachstellen aufmerksam und treffen Sie gemeinsam möglichst verbindliche Abmachungen.
Planen Sie genügend Zeit für die Abklärungen ein – bei vielen Angeboten bestehen Wartelisten.
Das Kind sollte seine neue Betreuungsperson zuerst kennenlernen, bevor Sie es in deren Obhut geben. Besuchen Sie mit Ihrem Kind mehrmals die Betreuungsperson und lassen Sie es zuerst nur kurze Zeit mit ihr alleine. Bei professionellen Betreuungsangeboten findet in Zusammenarbeit mit den Eltern eine mindestens ein- bis zweiwöchige Eingewöhnungszeit statt.
«Schleichen» Sie sich nicht davon, sondern verabschieden Sie sich klar und deutlich von Ihrem Kind – mit der Vorfreude aufs Wiedersehen. So kann es sich darauf verlassen, dass es jeweils weiss, wann Sie gehen. Es muss nicht Angst haben, dass Sie plötzlich verschwinden.
Das Kind braucht Verlässlichkeit und Kontinuität, um Vertrauen aufzubauen. Betreuungspersonen sollten nicht zu häufig wechseln – am besten nie. Es braucht Zeit, um das Kind zu verstehen und eine Beziehung aufzubauen.
Genaue Abmachungen und Gespräche über Ihren Alltag mit dem Kind, seine Entwicklung und Befindlichkeit – sowohl in der Betreuungseinrichtung als auch zu Hause – tragen viel zu dessen Geborgenheit bei und helfen Ihnen, ein gutes Verhältnis mit der Betreuungsperson aufzubauen.
Wenn Eltern und Mitbetreuende gut miteinander auskommen und Vertrauen zueinander haben, hilft dies dem Kind, sich wohlzufühlen.
Haben Sie sich für eine Lösung entschieden, sollten Sie die Betreuungszeiten, die Betreuung bei Krankheiten oder Ferien, finanzielle Fragen, Versicherung und so weiter, schriftlich festhalten. Dies empfiehlt sich auch bei einer regelmässigen und unbezahlten Betreuung durch Verwandte oder Bekannte.
Kontakte für Beratungsmöglichkeiten und Musterverträge für Tagesfamilien finden Sie hier.
Eine Liste der Fragen, die Sie der Krippenleitung stellen könnten, können Sie hier herunterladen.
Meist werden in Tagesfamilien neben eigenen Kindern eines oder mehrere weitere Kinder betreut. Tageseltern kümmern sich bei sich zu Hause – ganztags, halbtags oder stundenweise – um die ihnen anvertrauten Kinder. Vielerorts gibt es professionelle Betreuungspersonen in Tagesfamilien, die bei einer Organisation angestellt sind und Aus- oder Weiterbildungen absolviert haben.
Die Tagesfamilienorganisationen in Ihrer Region bieten Ihnen und den Betreuungspersonen Beratung und Begleitung. Sie regeln auch finanzielle und rechtliche Fragen. Kontaktadressen in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Kindertagesstätten, auch Krippen oder Kitas genannt, sind ebenfalls bestens für die Betreuung von Babys eingerichtet. Informieren Sie sich bei der Leitung über die Erziehungsvorstellungen, den Tagesablauf und die Betreuungsbedingungen. Erkundigen Sie sich nach einem schriftlichen Betriebskonzept und nach dem pädagogischen Konzept für den Frühbereich: Wie werden Kinder in ihrer Entwicklung unterstützt und begleitet? Wie werden die Ernährung und der Schlaf der Kinder gehandhabt? Wie werden Sie als Eltern mit einbezogen?
Fragen Sie auch nach der Ausbildung des Personals. Wie viele Mitarbeitende haben eine Fachausbildung? Verfügt die Einrichtung über ein Qualitätslabel wie «QualiKita»? Besuchen Sie die Kindertagesstätte vorher, um zu sehen, wie die Kinder betreut und gefördert werden und wie die Erwachsenen mit ihnen umgehen.
Was tun, wenn Sie in einer Gemeinde wohnen, in der es weder eine Kindertagesstätte noch eine Tagesfamilienorganisation gibt? Was tun, wenn keine Verwandten, Freunde, Nachbarinnen längerfristig die Betreuung übernehmen?
Wenden Sie sich an Ihre Wohngemeinde und melden Sie Ihren Bedarf nach professioneller familienergänzender Kinderbetreuung. Dort kann man Ihnen helfen, eine Lösung zu finden.
Immer mehr Kindertagesstätten und Spielgruppen erkennen den Vorteil, Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam zu betreuen. Für die Kinder ist Vielfalt selbstverständlich und sie lernen den sozialen Umgang miteinander von früh auf. Trotzdem kann die Suche nach einem geeigneten Betreuungsplatz schwierig werden. Als Eltern eines Kindes mit Behinderung brauchen Sie unter Umständen etwas Geduld und Ausdauer.
Vielleicht machen Sie sich auch Sorgen, ob die nötige Betreuung Ihres Kindes mit seinen speziellen Bedürfnissen gewährleistet werden kann. Suchen Sie diesbezüglich das Gespräch mit der Leitung und den Betreuenden und lassen Sie sich beraten. Unter Umständen ist es möglich, dass zusätzliches Personal eingestellt werden kann, um die Betreuung Ihres Kindes im Krippenalltag zu ermöglichen, und die Kosten – zumindest teilweise – von der Gemeinde übernommen werden.
Die Betreuung eines kleinen Kindes ist anstrengend für alle. Erst recht, wenn Sie spezielle Bedürfnisse erfüllen müssen, mehr Arzt- und Therapietermine haben und sich mit der neuen Realität auseinandersetzen müssen. Für Eltern von Kindern mit Behinderung bietet deshalb der Entlastungsdienst zusätzlich wertvolle Unterstützungsmöglichkeiten.