2. Monat
Weinen und Schreien ist die erste Form, sich bemerkbar zu machen. Die meisten Kinder begrüssen uns auf dieser Welt mit einem Schrei. In den ersten Lebenswochen und -monaten gehört das Weinen dazu. So bringt das Kind zum Ausdruck, dass es etwas braucht.
Babys sind verschieden, auch was das Weinen und Schreien anbelangt. Das eine schreit viel, das andere wenig. Besitzt das eine Kind eine durchdringende Stimme, so klingt das Weinen des anderen eher zaghaft.
Am Anfang ist es nicht immer einfach, herauszufinden, was das Baby braucht. Mit der Zeit werden Sie aber manches Weinen verhindern können, weil Sie frühzeitig erkennen, was Ihr Kind benötigt. Weint es, sollten Sie in erster Linie Ruhe bewahren und kurz überlegen, was der Grund für sein Weinen sein könnte. Oft helfen ihm schon ein paar tröstende Worte, eine Berührung mit Ihrer Hand, ein sanftes Schaukeln in Ihren Armen.
Es wird aber auch Situationen geben, in denen alle möglichen Beruhigungsversuche wie «Nuggi», Brust oder Schoppen geben, Wickeln, Herumtragen, Singen, Liebkosen und so weiter nichts nützen. Das kann die Nerven manchmal ganz schön strapazieren.
Atmen Sie in so einem Moment tief durch und denken Sie an Folgendes: Kleine Kinder weinen nie grundlos oder aus Trotz und schon gar nicht, um Sie zu ärgern. Oft dient das Weinen auch dem Abbau von inneren Spannungen. Vielleicht müssen Sie das auch Ihren Nachbarn erklären, falls diese auf das Schreien Ihres Kindes mit Unverständnis reagieren.
Bei vielen Babys gehören Unruhephasen, die von intensivem Weinen begleitet sind, in den ersten Lebensmonaten zum Tagesablauf. Meist treten sie am Nachmittag oder gegen Abend auf. Solche Schreiphasen sind für viele Eltern anstrengend und belastend, weil sich ihr Kind kaum beruhigen lässt.
Die Ursachen für diese Schreiphasen lassen sich nicht genau ergründen. Es kommt vor, dass Säuglinge zu viele Sinneseindrücke aufnehmen und es dadurch zu einer inneren Anspannung kommt. Gegen Abend versucht dann das Baby, durch Weinen Entspannung zu finden. Versuchen Sie daher, Ihr Kind vor zu vielen äusseren Reizen zu schützen und Übermüdung zu vermeiden.
Wichtig ist auch, auf einen regelmässigen Wechsel von Wach- und Schlafphasen zu achten. In einer Schreiphase hilft es Ihrem Kind am meisten, wenn es Ihre Ruhe und Nähe spürt, eventuell in einem abgedunkelten Zimmer. Vermeiden Sie zu aktive Beruhigungsversuche, halten Sie Ihr Kind ruhig im Arm, ohne es stark zu schaukeln und ständig die Lage zu wechseln. Legen Sie es ins Bett und eine Hand auf den Bauch, die andere auf den Kopf Ihres Kindes.
Jeder Säugling, der schreit, hat eine erhöhte Muskelspannung und einen harten Bauch. Ob es sich dabei um Koliken handelt oder eher um ein Regulationsproblem, ist in Fachkreisen umstritten. Häufig spricht man in diesem Zusammenhang jedoch von der Dreimonatskolik, deren Symptome in der Regel nach drei Monaten abklingen.
Es kann dem Baby helfen, wenn es herumgetragen wird, entweder auf Ihrem Unterarm im sogenannten Fliegergriff oder mit dem Bauch an Ihre Schultern angelehnt oder im Tragetuch. Kinder, die auch tagsüber herumgetragen werden, weinen oft weniger.
Auch eine leichte Massage des geblähten Bäuchleins kann wohltuend sein. Oder Sie legen Ihre Hände an die Fusssohlen des Babys und drücken seine Knie dadurch leicht gegen den Bauch. Aus lauter Nervosität neigt man dazu, dem weinenden Kind häufiger zu trinken zu geben. Oft führt dies aber zu noch stärkerem Schreien.
Ihrem Kind tut es gut, wenn es Ihre Nähe spürt, wenn es auf den Arm genommen wird, wenn es liebkost und gestreichelt wird und wenn Sie mit ihm plaudern. Beruhigend kann auch ein leichtes Schaukeln sein, zum Beispiel wenn Sie mit Ihrem Baby im Arm auf einem Gymnastikball sitzen. Es spricht nichts dagegen, wenn Sie sich viel Zeit nehmen und Ihr Kind zur Beruhigung viel herumtragen. In diesem Alter können Sie Ihr Kind nicht genug verwöhnen!
Es gibt Kinder, deren Schreiphase bis zu drei Stunden pro Tag dauert. Wenn sich das Baby nicht beruhigen lässt, ist dieser Zustand über längere Zeit kaum zu ertragen. Bei fast allen Eltern löst das Hilflosigkeit, Aggressionen, manchmal sogar heftige Wutgefühle aus, über die sie selber erschrecken.
Dann ist es wichtig, eine «Erholungspause» einzuschalten. Wenn Sie Ihr schreiendes Kind in diesem Moment keiner vertrauten Person in die Arme drücken können, ist es besser, wenn Sie es in sein Bett legen und sich zuerst einmal selbst beruhigen. Vielleicht hilft es Ihnen, eine vertraute Person anzurufen und Ihre Wut und Verzweiflung mitzuteilen.
Unter Umständen hilft es Ihnen, für einen Moment die Tür zum Zimmer des Babys zu schliessen und auf diese Weise etwas Distanz zu gewinnen. Ihr Baby wird vermutlich in seinem Bett weiterschreien, aber für eine kurze Weile schadet ihm das nicht. Jedenfalls ist es viel weniger schlimm, als wenn Sie die Nerven verlieren und Ihr Kind aus lauter Verzweiflung schlagen oder schütteln!
In der ersten Zeit mit einem Kind stossen viele Eltern immer wieder an ihre Grenzen. Häufig liegt das auch daran, dass der Schlaf zu kurz kommt. Suchen Sie rechtzeitig das Gespräch mit einer Fachperson (Hebamme, Mütter- und Väterberatung, Kinderarzt, Kinderärztin). Zudem ist die Pro Juventute Elternberatung Tag und Nacht erreichbar (058 261 61 61); im Adressverzeichnis von Pro Juventute finden Sie weitere regionale Notrufnummern.
Schütteln oder schlagen Sie Ihr Kind nie! Beides ist gefährlich. Ein Baby kann seinen Kopf noch nicht halten, und dieser schlägt beim Schütteln hin und her. Auch wenn der Kopf dabei nicht an etwas Hartes stösst, kann es zu inneren Blutungen kommen, und diese können zu bleibenden Behinderungen oder sogar zum Tode führen. Das Hirn eines kleinen Kindes ist sehr empfindlich, abrupte Bewegungen ohne Halten des Kopfes oder auch das Hochwerfen eines Babys sind deshalb lebensbedrohlich.
Informieren Sie alle, die Ihr Baby hüten, über die Gefährlichkeit des Schüttelns.