12. Monat
Grosseltern sind gefragte Personen – sowohl bei den Grossen als auch bei den Kleinen. Ganz egal, ob Kleinfamilie, Einelternfamilie, Patchworkfamilie oder Zwillingsfamilie: Oma und Opa können wertvolle Unterstützung im Familienalltag bieten und wichtige Bezugspersonen sein.
Im Zusammensein mit ihrem Enkelkind stellen Grosseltern etwas ganz Besonderes dar: Sie sind Freunde und Verbündete, Menschen, die andere Geschichten erzählen und andere Spiele spielen als die Eltern. Erwachsene, die vielleicht ein wenig mehr erlauben, die nachsichtiger sind, die nicht immer so konsequent sein müssen wie Papa und Mama.
Es gibt Grosseltern, denen die Lebhaftigkeit eines kleinen Kindes zu viel ist, weil ihnen die Kraft oder die Geduld für das quirlige Enkelkind fehlt. Auch in dieser Situation ist es möglich, einen Weg zu finden, um die Beziehung zwischen Enkelkindern und Grosseltern lebendig zu erhalten. Kinder verstehen meist sehr gut, dass sie mit dem Grosi oder dem Opa etwas sanfter umgehen müssen. Und Grosseltern, die nicht mehr ganz Schritt halten können mit dem kleinen Wirbelwind, sind vielleicht besonders begabte Geschichtenerzähler.
Viele Grosseltern sind noch berufstätig, sehr aktiv oder möchten ihre Freizeit für sich geniessen und haben deshalb wenig oder gar keine Zeit für ihre Enkelkinder. Besprechen Sie Ihre Bedürfnisse mit Ihren Eltern, damit keine Erwartungen entstehen, die nicht erfüllt werden können. Vielleicht finden Sie in Ihrer Nähe Ersatzgrosseltern, die in die Lücke springen möchten.
Schön, wenn Ihre Eltern in Sachen «Erziehung» mit Ihnen einer Meinung sind und Sie in gutem Einvernehmen Ihr Kind in deren Obhut geben können. Es ist aber durchaus verständlich, wenn die ältere Generation andere Auffassungen vertritt, denn unsere Gesellschaft hat in den letzten Jahrzehnten viele grundlegende Veränderungen erlebt.
Manche Grosseltern werden vielleicht neuen Ansichten gegenüber skeptisch sein und möchten an Erziehungsmethoden festhalten, die sie selber praktiziert haben und die vielleicht strenger waren als die heutigen. Doch es gibt auch die Omas und Opas, die bei ihren Enkelkindern die eigenen Erziehungsgrundsätze völlig vergessen und sogar der Meinung sind, dass die Eltern viel zu streng seien.
Verschiedene Ansichten und unterschiedliche Vorstellungen – sprechen Sie darüber, auch wenn es zuweilen heikle Themen sind! Nur so können Missverständnisse geklärt oder Konflikte ausdiskutiert werden. Und vor allem gilt auch hier: Gegenseitige Toleranz ist ganz wichtig. Ihr Kind wird bald lernen, dass bei den Grosseltern eben nicht genau die gleichen Regeln gelten wie zu Hause – und das ist auch gut so.
Das wäre ideal, denken wohl alle Eltern, die nicht in der glücklichen Lage sind, ihr Kind regelmässig den Grosseltern zur Betreuung übergeben zu dürfen. Diese spezielle Zusammenarbeit bedingt aber von beiden Seiten eine grosse Toleranz.
«Offizielle» Tageseltern und Eltern schliessen einen Vertrag miteinander ab, der die wichtigsten Fragen rund um die Betreuung des Kindes regelt. Sie versuchen, einander vorher gründlich kennenzulernen, um herauszufinden, ob ihre Ansichten in Bezug auf die Kleinkinderziehung mehrheitlich übereinstimmen.
Das ist bei Grosseltern und Eltern nicht unbedingt nötig. Und doch – vielleicht ist es ganz nützlich, hin und wieder daran zu denken, dass Grosseltern und Eltern auch gegenseitige Verpflichtungen eingehen, wenn eine regelmässige Betreuung des Enkelkindes übernommen wird. Es ist deswegen gut, wenn Sie gewisse Abmachungen vereinbaren und, falls Unstimmigkeiten vorhanden sind, auch miteinander darüber sprechen.
Lebt Ihr Kind über längere Zeit, einen Teil oder die ganze Woche durch bei den Grosseltern, sind diese nicht mehr «nur» Betreuungspersonen, sondern werden zu Pflegeeltern ihres Enkelkindes. Informieren Sie sich in diesem Fall in Ihrer Gemeinde über die gesetzlichen Bestimmungen.
Grosseltern sein ist etwas ganz Besonderes. Sie können das Zusammensein mit Ihrem Enkelkind geniessen, ohne die Erziehungsverantwortung übernehmen zu müssen. Manchmal ist das vielleicht gar nicht so einfach. Sicher möchten Sie für Ihr Enkelkind nur das Beste. Aber was ist denn das Beste?
Nun ist die nächste Generation an der Reihe. Ihr Sohn oder Ihre Tochter tragen die Verantwortung für das Kind und wollen ja auch das Beste. Junge Eltern haben vielleicht andere Erziehungsgrundsätze, als Ihre Generation sie hatte, Grundsätze, die zu ihrer Zeit passen und ihrer Lebensart entsprechen.
Wie die heutigen Eltern hatten auch Sie das Recht, Ihre Kinder so zu erziehen, wie Sie es wollten. Die Enkelkinder werden es später wieder genauso machen. Damit ein Zusammenleben trotz unterschiedlicher Auffassungen funktioniert, braucht es viel gegenseitige Toleranz.
Vielleicht brennt es Ihnen manchmal auf der Zunge, und Sie möchten Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn einen bestimmten Ratschlag zur Erziehung des Kindes geben. Vielleicht tun Sie das besser mit einer Frage als in Form einer Kritik. Daraus kann sich ein interessantes Gespräch ergeben. Wenn Ihre Tochter oder Ihr Sohn die Anregung aber nicht annimmt, seien Sie nicht beleidigt. Von den eigenen Eltern Erziehungsratschläge anzunehmen, kann schwierig sein.
Vielleicht erinnern Sie sich noch, wie das damals bei Ihnen war. Für Sie als Grosseltern kann es jetzt interessant sein, den Familienalltag Ihrer Kinder und Enkelkinder zu verfolgen und zu beobachten, wie und wo die Erziehungsschwerpunkte gesetzt sind, wo die Eltern Grenzen ziehen und wie man miteinander umgeht.
Wenn Sie einen beträchtlichen Teil der Betreuung Ihres Enkelkindes übernommen haben, ist es wichtig, dass Sie diesem immer wieder von seinen Eltern erzählen. Wenn wichtige Entscheidungen in Bezug auf das Kind zu treffen sind, sollten Sie die Mutter, den Vater immer mit einbeziehen.
Sagen Sie dem Kind aber nicht: «Das will deine Mutter, dein Vater so!», wenn Sie mit einer Entscheidung nicht einverstanden sind. Es wird spüren, dass zwischen Ihnen und seinen Eltern Unstimmigkeiten bestehen, und nicht wissen, auf wessen Seite es sich schlagen soll. Das Zusammenleben von drei Generationen kann spannend und bereichernd sein – wenn sich alle an gewisse Spielregeln halten.
Wenn sich die Eltern trennen, können Sie eine wichtige Stütze für Mutter, Vater und Kind sein. Suchen Sie das Gespräch, ohne Groll und Vorwürfe. Versuchen Sie, den Kontakt zu Ihren Enkelkindern aufrechtzuerhalten, denn nach wie vor sind Sie ganz wichtige, unersetzliche Bezugspersonen.